Evangelische Kirchengemeinde

             Gronau(Westf.)  


WalterThiemann

Walter Wilhelm August Thiemann wurde am 6.8.1898 in Barmen geboren. Nach der Grundschule besuchte er das humanistische Gymnasium in Barmen und bestand dort 1916 das Abitur. Es folgte Kriegsdienst im ersten Weltkrieg und 1 Jahr Gefangenschaft. Er studierte in Bonn und Tübingen Theologie und bekam nach erfolgreichem Abschluss seine erste Stelle als Vikar in St. Pölten, Österreich. Das Predigerseminar in Soest von 1924 bis 1925 schloss sich an.

Am 25.9.1925 Heirat mit Hildegard Schmits. In der Folge werden 9 Kinder geboren. Ein Kind stirbt bei der Geburt, zwei bei einem Bombenangriff im 2. Weltkrieg. Von 1925 bis 1931 war er als Pfarrer in Bethel tätig und wurde gleichzeitig wegen hervorragendem Examen Leiter der neu gegründeten Volkshochschule Lienen (Kreis Tecklenburg). Seit 1928 war er Taubstummen- seelsorger für Münster und Tecklenburg.
1933 wirkte er am so genannten „Tecklenburger Bekenntnis“ mit, einem Vorläufer der Barmen theologischen Erklärung, die als Bekenntnis der Kirche gegen die totalitäre Ideologie des Nationalsozialismus in die Kirchengeschichte eingegangen ist und heute neben den altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnissen zu den Grundlagen der Evangelischen Kirche in Deutschland gehört.

Am 1. Juli 1934 wurde Walter Thiemann als Pfarrer in die Evangelische Kirchengemeinde Gronau/Westfalen eingeführt. Walter Thiemann war von 1934-1939 Gemeindepfarrer in Gronau.
Von Anfang an gerät er in Auseinandersetzungen mit der Ideologie des Nationalsozialismus. Am 10. Juli 1939 wird er wegen angeblicher Störung einer nationalsozialistischen Trauerfeier verhaftet. Von Juli bis Oktober 1939 befand er sich in der Untersuchungshaft in Münster. Am 13. Oktober 1939 wird er in das Konzentrationslager Buchenwald abtransportiert.

Im Dezember 1939 erfolgt nach Intervention der Reichsfrauenführerin Scholz-Klink bei Himmler die Entlassung aus Buchenwald und die Rückkehr nach Gronau. Ab 1940 ist er als Pfarrer in Neunkirchen/Kreis Siegen, ab 1946 in Siegen.

Walter Thiemann hat sich nach dem Krieg besonderes für den Wiederaufbau von Kirchen engagiert. Er war lange Jahre Mitarbeiter im Arbeitsausschuss des Deutschen Evangelischen Kirchbautages sowie Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der christlich-jüdischen Gesellschaft im Siegerland (Studien zur Kirchengeschichte und zur Geschichte der Juden im Siegerland)

Noch vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel wurde Thiemann nach Israel eingeladen. Im August 1968 erhielt er für seine kirchlichen und kulturellen Verdienste das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Thiemann verstarb 1983 in Siegen.

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