Evangelische Kirchengemeinde

         Gronau(Westf.)  


Kirchturm1

Gründonnerstag

Der Tag vor Karfreitag hat es in sich: Erst, am Vorabend der Kreuzigung, wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße und feiert das letzte gemeinsame Mahl mit Brot und Wein  („Solches tut zu meinem Gedächt-
nis!“), auf das sich die Kirchen bei Abend-
mahl (evangelisch) oder Eucharistie (katholisch) bis heute berufen. Dann betet er im Garten Gethsemane, intensiv und voll Todesangst:

„Vater, wenn’s möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Mutterseelenallein ringt er um sein Schicksal, während seine Jünger schlafen. Schließlich kommt es zu Verrat und Verhaftung: Judas gibt ihm einen Kuss als Erkennungszeichen für die Soldaten der Hohepriester. Eine bittere Nacht, tatsächlich ein Gründonnerstag: ein Tag zum Greinen (mittelhochdeutsch: gronan für Weinen). Aus dem Namen Gründonnerstag leiten viele Familien die Tradition ab, an diesem Tage grünes Gemüse (Spinat oder Brunnenkresse) zu essen. Vor allem in katholischen Kirchen gewinnt der Brauch der Fußwaschung wieder an Bedeutung; hohe Amtsträger wie Bischöfe verrichten diesen ursprünglichen Sklavendienst an Schwestern und Brüdern.

Karfreitag

Warum lässt Gott Leiden und Sterben in unserer Welt zu? Eine Frage, die viele Menschen quält, wenn sie schmerzhafte Erfahrungen machen. Es ist unmöglich, auf diese Frage eine Antwort zu finden, aber Christen glauben: Gott weiß, in welche Abgründe das Leben geraten kann, weil sein Sohn Jesus Christus gelitten hat und gestorben ist. Er hat am Kreuz mit den ersten Versen des Psalms 22 gerufen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ In der Solidarität Gottes finden gläubige Menschen Trost und Kraft. Der Erinnerung an den Todestag Jesu ist der Karfreitag gewidmet. Im Mittelpunkt der Gottesdienste steht die Lesung der Passionsgeschichte, das ist der biblische Text über das Leiden und den Tod Jesu. Er starb, so sagt es die Bibel „um die neunte Stunde“. Auf die heutige Zeitrechnung übertragen ist das 15.00 Uhr. Viele Gottesdienste finden daher am Nachmittag statt. Es ist ein Tag der Trauer. Das bedeutet, dass in vielen Kirchen die Glocken schweigen und die Orgel nicht gespielt wird. Für Katholiken ist der Karfreitag ein strenger Fastentag.

Ostern

Trauer, Erschrecken, Staunen. Mitreißender Jubel, grenzenlose Begeisterung: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“
Ein Mensch soll auferstanden sei, den Tod besiegt? Wie kann man das verstehen? Viele Theologiegenerationen haben seit dem ersten Ostern darüber diskutiert, und selbst der Jünger Thomas zweifelte: „Bevor ich nicht meine Hände in seine Wunden lege, will ich’s nicht glauben!“ Jesus geht auf den Zweifler zu: „Gib deine Hand her und sei nicht ungläubig. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes, Kapitel 20). Wir Aufgeklärten haben es heute schwerer als Thomas und die Jünger. Wie können wir Ostern und seine Folgen begreifen? Eine Möglichkeit ist es, sich selbst der Wirkung von Ostern auszusetzen: Die Jünger zogen begeistert in alle Welt und erzählten auch unter Verfolgung von dem, der ihnen begegnet war. Bis heute erlebt die Osterbotschaft vielerorts eine stürmische Verbreitung. Überall richten Menschen ihr Leben nach dem Auferstandenen aus. Auf der ganzen Welt gründet man christliche Gemeinden.
Man könnte es selbst versuchen, in der Osternacht, im Umgang mit anderen, in Lebenskrisen: die biblischen Zeugnisse wirken lassen, prüfen, ob die österlichen Texte und Lieder wirklich Halt geben. Die eigenen Gebete und Hoffnungen auf den Auferstandenen richten und sehen, ob ihre Wahrheit trägt. Dann kann sich alles ändern.

Christ Himmelfahrt

Sie kommen mit Strohhüten, klingelnden Spazierstöcken und Leiterwagen. Während einer anstimmt: „Am 30. Mai ist der Weltuntergang...“ fallen andere ein; „Wir leben nicht mehr lang!“ Bierselig begehen einige scheinbar kurzlebige Männer hierzulande den „Vatertag“: eine amerikanische Erfindung aus dem Jahre 1910, die seit den Dreißigerjahren auch in Deutschland gefeiert wird. Bei Christen heißt der Donnerstag nach dem 6. Sonntag der Osterzeit nach wie vor „Christi Himmelfahrt“ und wird seit dem Jahre 370 gefeiert. Im Evangelium des Lukas (Kapitel 24) und in der Apostelgeschichte (Kapitel 1) entschwindet Jesus 40 Tage nach Ostern den Blicken seiner Jünger in Richtung Himmel. Die Botschaft dieser Berichte ist: Jesus ist bei Gott, „sitzend zur Rechten Gottes“. Er ist eins mit Gott, aber gleichzeitig uns nah: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Himmelfahrt wird von evangelischen und katholischen Kirchen mit Gottesdiensten (oft im Freien) und Prozessionen gefeiert. Der etwas naive mittelalterliche Brauch, am Himmelfahrt nur Geflügel, „fliegendes Fleisch“ zu essen, geriet seit Reformation und Aufklärung in Vergessenheit. In manchen Gegenden gibt es allerdings noch heute an Himmelfahrt Gebäck in Geflügelform.

Pfingsten

Der Name Pfingsten leitet sich von dem griechischen Wort „pentekoste“, der Fünfzigste, ab. Er entwickelte sich über den gotischen  Ausdruck „paintekuste“ und das mittelhochdeutsche Wort „pfingesten“ zu der heutigen Bezeichnung. In ihrer ursprünglichen Bedeutung verweist sie auf den zeitlichen Abstand zu Ostern, den Abstand von 50 Tagen. Der eigentliche Festtag wäre demnach der Pfingstmontag. Pfingsten folgt immer auch 10 Tage auf Christi Himmelfahrt. Mit Pfingsten endet die österliche Zeit. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes (die Aussendung des Heiligen Geistes). Nach kirchlicher Lehre wurde der Heilige Geist ausgesandt, um Person, Wort und wirken Jesu Christi lebendig zu halten. Im theologischen Sinne ist der Heilige Geist eine der drei Gestalten Gottes. Zusammen mit Gott, dem Heiligen Vater, und Jesus Christus, dem Sohn, bildet er die „Trinitas Dei“, die göttliche Dreifaltigkeit. Dies ist in einem Dogma aus dem Jahre 381 festglegt. Für manche Menschen ist Pfingsten ein Fest der Familie, ähnlich wie Weihnachten. Manche Kirchengemeinden (auch unsere) veranstalten Pfingstgottesdienste auch im Freien. Solche Waldgottesdienste (im Rüenberger Wald) verbreiten, zumal wenn das Pfingstwetter mitspielt, ein besonderes Flair.

 

Erntedank

ErntedankJCH

Erntedank ist eng mit dem Rhythmus der Natur verbunden. Die Saat, die zart grün im Frühjahr keimt, in der Wärme des Sommers wächst, wird im Herbst als reife Frucht geerntet. Spätestens im vierten Jahrhundert haben die Christen begonnen, den Rhythmus der Natur bewusst in die kirchliche Lebensordnung einzubeziehen. Dahinter steht der Wunsch, im Einklang mit der gottgegebenen Schöpfungsord-
nung zu stehen. Das Dankfest am Ende der Ernte bekennt: Der Mensch ist nicht der eigentliche Macher des Lebens. Gott weiß, was wir brauchen (Matthäus 6,32) und schenkt mit den Früchten der Erde immer wieder genug zum Leben. Evangelische Gemeinden feiern Ernte-

dank in unseren Breitengraden am ersten Sonntag nach Michaelis am 29. September, die katholischen am ersten Sonntag im Oktober. Kirchenräume werden mit Früchten, Kräutern und Gemüse geschmückt. Aus Ähren werden Erntekronen geflochten. Die Festgottesdienste stehen in der Spannung zwischen Dank und Verantwortung, beschenkt werden und Engagement für eine weltweite gerechte Verteilung der Nahrung.

Buß- und Bettag

Der Buß- und Bettag ist in Deutschland ein Feiertag der evangelischen Kirche, der auf Notzeiten zurückgeht. Er wurde im Laufe der Geschichte für besondere Anliegen angesetzt, aber oft nicht am selben Datum. Das Wort „Buße“ lässt allerdings unrichtige Assoziationen aufkommen. Es geht bei diesem Tag nicht um Büßen für begangene Vergehen im Sinne von „bestraft werden“, sondern um eine Haltungsänderung, eine Umkehr zu Gott hin. Im 20. Jahrhundert wurde der Buß- und Bettag wie auch heute meist am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag (der letzte Sonntag des Kirchenjahres) begangen, also am Mittwoch vor dem 23. November bzw. 11 Tage vor dem ersten Adventssonntag. Im Jahr 1994 wurde beschlossen, den Buß- und Bettag als arbeitsfreien Tag mit Wirkung ab 1995 zu streichen, um die Mehrbelastung für die Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen. Aber kirchlicher Feiertag ist der Buß- und Bettag auch weiterhin.
 

Ewigkeitssonntag

                                                                                                                               Am Ewigkeitssonntag oder Totensonntag gAlterFriedhofEperStraßeedenken Menschen ihrer Verstorbenen. Ein guter Brauch, sich konkret zu erinnern, das Grab eines geliebten Mitmenschen  aufzusuchen  und  dort  ein Kerzen-
licht anzuzünden und/oder Blumen niederzulegen. Für viele gehört auch der besinnliche Gang in die Kirche mit dazu, um im Gottesdienst zu gedenken und dabei die Hoffnung auf Gottes wunderbare Zusage von einem neuen Leben in der göttlichen Ewigkeit zu hören.
Jahr für Jahr geschieht dies am letzten Sonntag im Kirchenjahr, am Sonntag vor dem 1. Advent, am Toten- und Ewigkeitssonntag. Sein zweifacher Name weist auf seine zweifache Bedeutung und Aufgabe hin: Einerseits der Verstorbenen und der Vergänglichkeit unseres irdischen Lebens zu gedenken, andererseits die biblische Botschaft zu hören, dass wir alle in Gottes Hand geborgen sind – als Lebende und als Sterbende, weil Gott selbst uns eine Ewigkeit in unser menschliches Herz gelegt  hat, die  sich  am  Ende  unserer   weltlichen
                                                                                                                               Lebenszeit entfaltet.

Sonntag

Gleich zu Beginn der Bibel wird über den Sonntag berichtet und damit seine Bedeutung betont. Nach sechs Tagen vollendet Gott die Schöpfung, am siebten Tag macht er eine Pause. Gott ruht nicht, weil er erschöpft ist, sondern um sich des Geschaffenen bewusst zu werden. Er hält inne und freut sich über sein Werk. Der Sonntag ist so wichtig, dass er auch in die Zehn Gebote aufgenommen wurde. „Du sollst den Feiertag heiligen“ heißt es im Dritten Gebot, das damit auch Ruhe von Stress und Arbeit meint. Damit zählt die Sonntagsruhe der Christen und die Sabbatruhe der Juden zu den ältesten sozialen Schutznormen der Menschheit. Allein als Arbeitspause darf der Sonntag allerdings nicht verstanden werden. Der Mensch soll ihn statt dessen als besonders schutzwürdigen Tag heilig halten und ihm Unantastbarkeit zuerkennen. Im Grundgesetz wird an die jüdisch-christliche Tradition angeknüpft und der Sonntag als „Tag der seelischen Erhebung“ geschützt. Der Name Sonntag leitet sich vom griechisch-römischen „Tag der Sonne“ ab – auch mit Verweis auf die „Sonne der Gerechtigkeit“, wie Jesus in der Bibel angekündigt wird.

wird fortgesetzt - Schauen Sie bitte mal wieder vorbei.

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Ordination

Die Ordination  ist die offizielle und öffentliche Berufung einer Pfarrerin bzw. eines Pfarrers zum pastoralen Dienst einer evangelischen Kirche, beispielsweise der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie geschieht in einem feierlichen Gottesdienst durch die Superintendentin bzw. den Superintendenten oder deren bzw. dessen Vertreter/-in; dabei wird die bzw. der zu ordinierende Pfarrer/-in für seinen Dienst grundsätzlich gesegnet und in seinen Dienst grundlegend gesendet.
In der Ordination sagt die jeweilige Kirche ihr Ja zu der jeweiligen Pfarrerin bzw. dem jeweiligen Pfarrer; die jeweilige Pfarrerin bzw. der jeweilige Pfarrer sagt Ja zur Kirche. Das gegenseitige Ja ist ein Bekenntnis zueinander auf Basis der entsprechenden Bekenntnisschriften und in besonderer Weise auf Basis der Heiligen Schrift. Neben dem vertrauensvollen Bekenntnis ist die Ordination auch vor allem Sendung: Die jeweilige Pfarrerin bzw. der jeweilige Pfarrer wird von der Kirche entsandt in den kirchlich-pastoralen Dienst zur Verkündigung des Evangeliums, zur Sakramentsverwaltung, zur Seelsorge . . . – den Menschen zum Wohle, Gott zur Ehre.
Damit sind die Pfarrerinnen und Pfarrer neben allen Christinnen und Christen (Priestertum aller Gläubigen und Diakonentum aller Liebenden) ganz besonders in den Dienst gestellt, und doch gilt in allen evang. Kirchen ganz fundamental der theologische Grundsatz vom Priestertum aller Gläubigen und Diakonentum aller Liebenden, der alle getauften und ihren Glauben lebenden Christinnen und Christen in den Dienst der Nachfolge Jesu beruft. Kein Widerspruch, sondern eine Harmonie: Einerseits sind alle Getauften durch Gott selbst berufen und beauftragt zum Dienst im Namen Jesu, andererseits sind einige von den Getauften, und zwar Pfarrerinnen und Pfarrer bzw. Laienpredigerinnen und Laienprediger, speziell von Gott selbst berufen und beauftragt zu einem professionalisierten Dienst der Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und Seelsorge.

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